Kategorie: Steuerrecht


  • Die Verfahrensdokumentation im Überblick

    Die Verfahrensdokumentation im Überblick

    In Steuerberater- und Buchhalterkreisen ist sie schon länger in aller Munde, die meisten Unternehmer und Selbständigen haben zumindest bereits einmal von ihr gehört. Wie die dunklen Wolken über dem Hamburger Hafen im obigen Bild schwebt sie drohend über uns, jederzeit bereit, die menschliche Gestalt anzunehmen um dann als Betriebsprüfer an unsere Türe zu klopfen: Die Verfahrensdokumentation. Zeit also, das Thema ein wenig einzuordnen.

    Die allgemeine Verfahrensdokumentation

    Mit der Neufassung des Schreibens des Bundesministerium der Finanzen im Jahre 2014 zu den „GoBD“ (Grund­sät­ze zur ord­nungs­mä­ßi­gen Füh­rung und Auf­be­wah­rung von Bü­chern, Auf­zeich­nun­gen und Un­ter­la­gen in elek­tro­ni­scher Form so­wie zum Da­ten­zu­griff) ist auch die Finanzverwaltung im digitalen Zeitalter angekommen (Link zum Volltext). In diesem 44-seitigem Papier wird erstmals der Begriff der Verfahrensdokumentation als Teil einer ordnungsgemäßen und damit belastbaren bzw. beweiskräftigen Buchhaltung unter Einsatz von Datenverarbeitungssystem schriftlich fixiert.

    Die Verfahrensdokumentation beschreibt den organisatorisch und technisch gewollten Prozess, z. B. bei elektronischen Dokumenten von der Entstehung der Informationen über die Indizierung, Verarbeitung und Speicherung, dem eindeutigen Wiederfinden und der maschinellen Auswertbarkeit, der Absicherung gegen Verlust und Verfälschung und der Reproduktion.

    Randziffer 152

    Mit anderen Worten, in Zeiten, in denen bei der Buchhaltung elektronische Systeme zum Einsatz kommen, soll mit einer Verfahrensdokumentation zum einen sichergestellt werden, dass sich keine „Fehler im System“ befinden. Zum anderen soll sie einem externen Prüfer quasi ein Handbuch zum Aufbau der vorliegenden Buchhaltung in die Hand geben.

    Soweit eine fehlende oder ungenügende Verfahrensdokumentation die Nachvollziehbarkeit und Nachprüfbarkeit nicht beeinträchtigt, liegt kein formeller Mangel mit sachlichem Gewicht vor, der zum Verwerfen der Buchführung führen kann.

    Randziffer 155

    Das Fehlen einer solchen Betriebsanleitung führt nun zwar nicht automatisch dazu, dass die Buchhaltung „kaputt“ ist und ein Betriebsprüfer fröhlich Hinzuschätzungen und Zuschläge kalkulieren darf, gleichwohl können sich aber durchaus Vorteile daraus für den Steuerpflichtigen ergeben:

    • Kein Vorsatz bei systematischen Fehlern in der Buchhaltung
    • Überprüfung der eigenen Prozesse
    • Betriebsanleitung für Mitarbeiter / Personalwechsel
    • Guter Einstieg für eine Betriebsprüfung

    Sonderfall „ersetzendes Scannen“

    Als Spezialfall der Verfahrensdokumentation hat sich das „ersetzende Scannen“ herausgebildet. Wer Papierbelege nach dem Scannen endgültig entsorgen möchte, muss dafür neben einem revisionsicheren Archiv auch eine detaillierte Dokumentation für den zugehörigen Prozess vorhalten. Ein ausführliches Muster diesbezüglich haben der Deutsche Steuerberaterverband, die Bundessteuerberaterkammer und die DATEV gemeinsam erarbeitet.

    Sonderfall „Kassenführung“

    Als weitere Unterfall hat sich die Verfahrensdokumentation zur ordnungsgemäßen Kassenführung herausgebildet. In diesem Fall hat sich der Deutscher Fachverband für Kassen- und Abrechnungssystemtechnik e.V. an die Arbeit gemacht und ein ausführliches Muster entworfen.

    Der Steuergesetzgeber hat die Kassenführung in den vergangene Jahren in den Fokus gerückt und die gesetzlichen Anforderungen hier deutlich verschäft, vermutet er hier doch Steuerverluste in Milliardenhöhe. Die DATEV stellt die derzeitige Rechtslage auf einer gesonderten Seite sehr übersichtlich dar.

    Für jedes Datenverarbeitungssystem – und dazu zählt Ihr Kassensystem – muss eine übersichtlich gegliederte Verfahrensdokumentation vorhanden sein, aus der Inhalt, Ablauf und Ergebnisse des Datenverarbeitungsverfahrens vollständig und schlüssig ersichtlich sind.

    DATEV

    Da – anders als bei einer normalen Betriebsprüfung – der Finanzbeamte im Rahmen einer so genannten Kassennachschau auch unangekündigt vor der Tür oder im Laden stehen und mit Prüfungshandlungen beginnen darf, sollte beim Einsatz von elektronischen Kassensystemen die Verfahrensdokumentation unbedingt frühzeitig erstellt werden und jederzeit griffbereit sein.


  • Die Rechnung in Zeiten der digitalen Transformation

    Die Rechnung in Zeiten der digitalen Transformation

    Es gibt sie noch, die Rechnung auf Papier. Genaue Zahlen lassen sich zwar nur schwer finden, aber eine kurze Suche im Netz offenbart, das vermutlich noch über die Hälfte der Rechnungen in Deutschland analog ausgetauscht werden. Allerdings: Die Tendenzen zur eRechnung oder auch zum E-Invoicing nehmen im Rahmen der Digitalisierung unserer Geschäftsprozesse weiter stark zu.

    Vorteile der eRechnung

    Die Vorteile für den Rechnungsaussteller durch den digitalen Rechnungsversand liegen auf der Hand:

    • Zeitersparnis bzw. zeitnahe Rechnungszustellung (Postweg)
    • Automatisierung des Rechnungsversandes
    • Direkte oder vorbereitete Verbuchung im Buchhaltungsprogramm
    • Kostenvorteil (Papier, Druck und Porto)
    • Archivierung digital statt analog

    Weitere Vorzüge erschließen sich allerdings auch im Hinblick auf den Rechnungsempfänger, sofern die Buchhaltung bereits digital organisiert ist:

    • Digitalisierung bzw. Scannen entfällt
    • Kein Qualitätsverlust durch Knicke, Kaffee, usw.
    • Elektronisch gestütztes Auslesen der Rechnungsinformationen für die Buchhaltung
    • Ortsunabhängiges, elektronisches Archiv mit Freitextsuche

    Anforderungen an die eRechnung

    Für elektronische Rechnungen bestehen sowohl sicherheitstechnische als auch rechtliche Anforderungen. So muss insbesondere sichergestellt sein, dass die Dokumente innerhalb der gesetzlichen Aufbewahrungspflichten (für Buchhaltungsunterlagen sind das derzeit 10 Jahre) ohne besonderen Aufwand lesbar gemacht werden können. Zugleich muss auch für diesen Zeitraum die Unveränderbarkeit gewährleistet sein (Datenintegrität), und nicht zuletzt muss der Rechnungsaussteller klar identifiziert werden können.

    Rechtsgrundlage für die eRechnungen bildet u.a. die EU Richtlinie 2014/55 zur elektronischen Rechnungsstellung als auch das Umsatzsteuergesetz.

    Selbstverständlich sind darüberhinaus auch die allgemeinen Anforderungen an eine ordnungsgemäße Rechnung zu beachten.

    Aktuelle eRechnungsformate

    In der einfachsten Form wird eine Rechnung im gängigen pdf-Format erstellt und beispielsweise per E-Mail oder Download bereitgestellt. Strenggenommen handelt es sich dabei aber noch nicht um eine eRechnung, da diese keine strukturierten Daten enthält.

    Von dem Rechnungsversand per Word- oder Excel-Datei ist übrigens unbedingt abzuraten, da diese Dateien jederzeit änderbar sind und auch ein erhebliches Risiko im Hinblick auf Computerviren darstellen.

    Wichtig: Grundsätzlich muss der Empfänger dem elektronischen Rechnungsversand zustimmen. Allerdings gilt bereits die Zahlung der Rechnung als stillschweigende Zustimmung.

    ZUGFeRD

    Die ZUGFeRD Rechnung ist ein vom Forum elektronische Rechnung Deutschland entwickeltes Format, welches die PDF-Rechnung um einen XML-Datensatz ergänzt („hybrid“). In diesem werden die Rechnungsdaten (u.a. Anschriften, Bankverbindung, Beträge) strukturiert abgelegt, sodass sie auf Empfängerseite als Datensatz eingelesen und verarbeitet werden können, sofern die technischen Voraussetzungen dafür vorliegen.

    Da es sich um ein rein nationales Rechnungsformat handelt, endet die Anwendungsmöglichkeit der ZUGFeRD-Rechnung allerdings bereits an der Staatsgrenze. Unter anderem auch deshalb liegt der Zukunft der eRechnungen daher eher bei der „XRechnung“.

    XRechnung

    Die XRechnung basiert auf EU-Vorgaben und kann daher als internationales Rechnungsformat angesehen werden. Anders als die erste Version von ZUGFeRD verzichtet das Format prinzipiell auf eine visuelle Komponente wie z.B. die pdf-Datei. Die XRechnung ist insofern von Bedeutung, als dass bereits ab Herbst 2020 die staatlichen Behörden gesetzlich verpflichtet sind, Rechnungen nur noch ausschließlich in diesem Format anzunehmen.

    Für Unternehmer gilt: Eine grundsätzliche Verpflichtung für die Versendung elektronischer Rechnungen an Behörden besteht erst ab dem 27.11.2020. Papier- oder reine PDF-Rechnungen werden dann nicht mehr akzeptiert.

    Haufe

    Folglich wurde ZUGFerD aktualisiert. Laut Angabe der Erschaffer erfüllt das Format ab der Version 2.0 die technischen Voraussetzungen der XRechnung.

    Fazit

    Früher oder später führt an der eRechnung kaum mehr ein Weg mehr vorbei. Ob die XRechnung nun das vorläufige Ende bei der Entwicklung eines einheitlichen Rechnungsformates mit ausreichender Durchsetzungskraft auch im B2B-Bereich sein wird, muss sich erst noch zeigen. Wie in fast allen Teilbereichen der digitalen Transformation, müssen sich die Akteure erst auf neue Standards einigen. Und relativ offen ist noch die Frage, in wiefern sich die eRechnung auch im B2C-Geschäft durchsetzen wird.


  • Buchhaltung? Mach ich selber!

    Buchhaltung? Mach ich selber!

    Selber buchen liegt im Trend. Online Tools wie Lexoffice, Debitoor, SevDesk, Fastbill oder Candis versprechen Großes:

    • „Rechnungen schreiben in unter einer Minute“ (Debitoor)
    • „Meine Buchhaltung macht sich von allein“ (LexOffice, Haufe)
    • „Schnell & Einfach – Du brauchst weder Schulungen, noch Experten. Leg einfach los.“ (FastBill)
    • „Mit sevDesk kannst du die Buchhaltung einfach selber machen – Ganz ohne Buchhaltungskenntnisse“ (sevdesk)
    • „Sparen Sie bis zu 80% Ihrer Arbeitszeit“ (Candis)

    Ist es nun wirklich alles so „smart, easy, schnell und einfach“? Bekommt der Steuerpflichtige wirklich und endlich „mehr Kontrolle über seine Zahlen“? Oder handelt es sich bei den genannten Versprechen schlichtweg um mehr oder weniger gutes Marketing?

    Buchhaltung endlich ‚Smart, easy, schnell und einfach – für nur 10 EUR im Monat!‘

    Dieser Artikel schildert die Erfahrungen eines Steuerberaters, der sich dem Thema Selberbuchen von Beginn an nicht verschlossen hat.

    1. Qualität sinkt, Risiko steigt

    Ich erinnere mich noch gut, wie vor ca. vier bis fünf Jahren fast im Wochentakt neue Online-Buchhaltungs-Tools auf den Markt kamen. Als verhältnismäßig junger und mit Technik und Internet aufgewachsener Steuerberater stand ich dem Thema neugierig und offen gegenüber. Das tue ich auch nach wie vor, schließlich wollen wir in unserer Kanzlei keine Möglichkeit auslassen, die Zusammenarbeit mit unseren Mandanten zu verbessern. Dazu gehört natürlich auch, gemeinsam mit dem Mandanten die optimale Lösung für seine Buchhaltung zu finden. Aber…

    Im Laufe der Jahre musste ich feststellen, dass in der Mehrzahl der Fälle die selbst erstellten Buchhaltungen mit Fehlern durchsetzt sind. In Einzelfällen waren die Buchhaltungsdaten sogar derart unbrauchbar, dass die Buchhaltung neu erstellt werden musste, denn eines muss klar sein:

    Es ist niemandem geholfen, wenn die Buchhaltung im Ergebnis nicht die tatsächliche wirtschaftliche Situation der Unternehmung darstellt oder nicht den gesetzlichen Vorgaben entspricht.

    Was hilft es also, ein paar hundert Euro bei der Buchhaltung zu sparen, wenn die Betriebsprüfung die Buchhaltung zerlegt und infolgedessen Steuernachzahlungen und Bußgelder drohen. Auch der Steuerberater, der spätestens im Falle einer Prüfung hinzugezogen wird, wird ein hohes Honorar fordern, wenn er im Rahmen der Prüfungsbegleitung versucht zu retten, was noch zu retten ist. Im Extremfall droht sogar der Vorwurf der Steuerhinterziehung, denn auch im Steuerstrafrecht gilt grundsätzlich „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“.

    Natürlich gibt es auch Fälle, in denen die Sache mit dem Selberbuchen gut funktioniert. Ein Informatiker beispielsweise, der als Freelancer ein paar wenige Rechnungen im Monat an seine Auftraggeber stellt und dessen Ausgaben sich meist in Grenzen halten, kann seine Buchhaltung mit einem Online-Tool durchaus selber vorbereiten. Voraussetzung dafür ist aber die Bereitschaft, sich dem Thema grundsätzlich anzunehmen, also ein Grundverständnis für die Materie zu entwickeln und ein kleines Buchhaltungswissen aufzubauen. Dabei kann natürlich auch der Steuerberater helfen. „Ganz ohne Buchhaltungskenntnisse“ geht es aber eben doch nicht, das ist nach meiner Erfahrung zum Scheitern verurteilt.

    Sobald es über das Erfassen von einfachsten Belegen hinausgeht schnellt die Fehlerwahrscheinlichkeit steil nach oben. Bei den zunehmend häufiger vorkommenden grenzüberschreitenden Sachverhalten (Reverse Charge, Drittland-Umsätze) sind Fehlbuchungen im Grunde garantiert. Oftmals scheitert es bereits daran, einen Auslandssachverhalt als solchen überhaupt zu erkennen (Stichwort „ganz ohne Buchhaltungskenntnisse“).

    Mit nur wenigen Klicks zur strafbewährten Steuerverkürzung.

    Weitere häufige Buchungsfehler bei Selbstbuchern sind z.B.

    • Erfassung von Krankenkassenbeiträgen als Betriebsausgabe,
    • unberechtigter Vorsteuerabzug (unvollständige oder falsche Rechnungen, Porto, Versicherungen),
    • Verwendung falscher Buchhaltungskonten (in den vorgenannten Tools z.B. auch „Kategorien“ genannt),
    • Vermischung von privaten und betrieblichen Ausgaben.

    Bei Kapital- oder Personengesellschaften kommt verschärfend hinzu, dass die Buchhaltungstools hierfür häufig ungeeignet sind. Damit der User smart, easy und schnell das Programm bedienen kann, werden die buchhalterischen Erfassungsmöglichkeiten in aller Regel stark vereinfacht. Folglich fehlen erforderliche Buchhaltungsfunktionen, sodass eine vollständige und korrekte Verbuchung für GbRs, OHGs, UGs oder GmbHs bereits technisch gar nicht möglich ist. Die mühsame und aufwendige Korrektur obliegt dann dem Steuerberater, mit entsprechendem Kostenaufwand.

    Die steuerlich komplexen Personen- und Kapitalgesellschaften lassen sich mit vereinfachenden Online-Tools buchhalterisch kaum abbilden.

    Bei den zunehmenden gesetzlichen Anforderungen an Buchhaltungsdaten ist damit leider relativ schnell der Punkt erreicht, an dem die Vorgaben nicht mehr als erfüllt angesehen werden können. Jedem Selbstbucher muss diesbezüglich bewusst sein, dass die damit verbundenen Risiken allein bei ihm liegen, denn insbesondere als Selbstbucher ist der Steuerpflichtige für die Ordnungsmäßigkeit der Buchhaltung alleine verantwortlich. Die Digitalisierung findet außerdem auch in der Finanzverwaltung statt: Betriebsprüfer stürzen sich vermehrt auf die Buchhaltungsdaten, anstatt Belegordner durchzublättern.

    „Für die Ordnungsmäßigkeit der Bücher und Aufzeichnungen ist allein der Steuerpflichtige verantwortlich.“
    (Bundesministerium der Finanzen)

    Sicherlich wird der Steuerberater im Rahmen der Weiterverarbeitung der Buchhaltungsdaten noch einige Fehler identifizieren und korrigieren können, eine Überprüfung jeder einzelnen Buchung ist in der Regel aber nicht Teil des Auftrages (siehe dazu auch unser kürzlich entworfenes „Merkblatt für selbstbuchende Mandanten“).

    2. Kostenersparnis

    Nicht selten steht hinter dem Wunsch, die Buchhaltung selber zu erstellen, auch die Hoffnung auf eine Kostenersparnis. Die Praxis hat hier gezeigt, dass diese Hoffnung nur dann berechtigt ist, wenn die generierten Buchhaltungsdaten wirklich gut sind und sich daraus mit überschaubarem Aufwand die steuerliche Gewinnermittlung erstellen lässt, welche wiederum Grundlage für die Steuererklärungen ist. Sind die Buchhaltungsdaten mangelhaft und mit Fehlern durchsetzt, nimmt die nachträgliche Korrektur häufig mehr Zeit in Anspruch, als wenn gelernte Buchhalter oder Steuerfachangestellte die Buchhaltung erstellt hätten. Außerdem leidet in solchen Fällen fast immer die Qualität, da bei einer Korrektur  kaum mehr ein Ergebnis zu erreichen ist, welches mit einer von Beginn an ordentlich geführten Buchhaltung qualitativ vergleichbar ist.

    3. Fazit

    Selberbuchen kann klappen, muss aber nicht. Nicht selten schaffen sich die Steuerpflichtigen dadurch Risiken, die vermeidbar wären, wenn die Buchhaltung von gelernten Profis erstellt wird. Zumal es mittlerweile brauchbare Alternativen gibt, um mit dem Steuerberater online und digital zusammenzuarbeiten. Die Plattform „Unternehmen Online“ der DATEV (kurz „DUO“) ermöglicht es beispielsweise, dass Steuerberater und Mandant in der Cloud wie folgt zusammenarbeiten:

    • Der Unternehmer verwaltet und erstellt in „DUO“ Angebote und Rechnungen, außerdem lädt er seine Belege hoch.
    • Der Steuerberater ruft sämtliche Belege digital ab und verbucht sie ordnungsgemäß. Dabei wird er z.B. durch eine Texterkennungsfunktion unterstützt.
    • Auswertungen wie die BWA oder Kontenblätter werden dem Unternehmer nach Fertigstellung der Buchhaltung in „DUO“ zur Verfügung gestellt.

    So macht also jeder das, was er kann.

    Nach wie vor befinden wir uns aber in einer Übergangsphase, keine Lösung ist perfekt und der Umbau der Buchhaltungsprozesse im Rahmen der Digitalisierung ist „work in progess“. So hat z.B. die erwähnte Plattform der DATEV in Bezug auf die Usability im Vergleich zu anderen Tools definitiv noch Luft nach oben. Aus Sicht eines Steuerberaters ist aber der Ordnungsmäßigkeit der Buchhaltung immer die höchste Priorität beizumessen. Schließlich ist es Teil unserer Aufgabe, unsere Mandanten vor steuerlichen Risiken bestmöglich zu schützen. Das ziel muss also lauten:

    Gemeinsam mit dem Mandanten die beste Lösung für seine Unternehmung suchen.

    Möglichkeiten gibt es heute viele und manche Dinge müssen nach dem Prinzip „trial & error“ auch einfach mal ausprobiert werden.

     


  • Brutto-Netto-Analyse für Selbständige 2017

    Brutto-Netto-Analyse für Selbständige 2017

    Die nachfolgende Untersuchung stellt für Selbständige dar „Was bleibt…“. Es geht also um die Frage, welcher Anteil vom erzielten Gewinn der Selbständige in Deutschland nach Abzug von Abgaben und Beiträgen zur Führung seines Lebensunterhaltes und zum Aufbau einer Altersvorsorge tatsächlich frei verwenden kann.

    Traditionell wird immer über die „hohen Steuern“ geschimpft. Wie gleich zu sehen sein wird, ist dies aber nur die halbe Wahrheit. Insbesondere in den unteren Einkommensklassen stellen die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung eine mindestens ebenbürtige „Belastung“ dar.

    Annahmen und Grundlegendes

    Der nachfolgenden „Zahlenspielerei“ liegt vereinfachend folgender Fall zugrunde:

    • Selbständiger mit Einkünften aus freiberuflicher oder gewerblicher Tätigkeit
    • Gesetzliche Krankenversicherung bei der TK mit Krankentagegeld und ohne Anspruch auf Beitragsermäßigung (also keine private Krankenversicherung, nicht Mitglied der Künstlersozialkasse)
    • Nicht verheiratet, keine Kinder und keine weiteren „Besonderheiten“

    Funktionsweise „Krankenkassenbeiträge“

    Zwei Dinge sind für das Verständnis von Bedeutung:

    1. Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sind voll steuerlich abzugsfähig, sofern sie auf die „Basisversorgung“ entfallen. Damit beeinflussen die Beiträge also direkt die höhe der zu leistenden Steuern.
    2. Die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung werden aus einem Prozentanteil von den Einkünften ermittelt (in unserem Beispielsfall sind dies bei der TK 18,4 %). Es gibt allerdings gesetzlich festgesetzte Mindest- und Höchstbeträge, die sogenannten Beitragsbemessungsgrenzen. Daraus ergibt sich für unseren Fall ein Mindestbeitrag zur KV und PV von EUR 410,55. Der Höchstbeitrag beträgt im Jahr 2017 EUR 800,40.

    Funktionsweise „Steuern“

    Die Einkommensteuer und ihr kleiner Bruder, der Solidaritätszuschlag, ergeben sich aus der Steuerformel nach § 32a EStG. Deutschland hat sich für einen progressiven Steuertarif entschieden, die Höhe des Steuersatzes ist also abhängig vom Einkommen. Vereinfachend gilt: Je höher das Einkommen, desto höher auch der Steuersatz. Es gibt einen Grundfreibetrag (2017: EUR 8.820) und der Höchststeuersatz beträgt 42 % bzw. 45 % ab einem zu versteuernden Einkommen von EUR 256.304 („Reichensteuer“).

    Nun aber los…!

    Die Datenreihe orientiert sich am Jahresgewinn aus der selbständigen Tätigkeit. Es wurde eine Spanne von EUR 5.000,00 bis EUR 150.000 mit einer Abstufung in 5.000er Schritten gewählt. Dieser Rahmen bringt bereits alle interessanten Effekte und Aussagen ans Tageslicht. Auf Basis des jeweiligen Gewinnes werden sodann die anfallenden Krankenkassenbeiträge und Steuern ermittelt.

    Das Zahlenergebnis wird zunächst helikopterartig auf Jahresbasis betrachtet, später werden die Zahlen auf Monatswerte heruntergebrochen, um die Erkenntnisse auf das tägliche Leben zu projetzieren und greifbarer zu machen.

    Hier ein Blick in die Datenreihe:

    Chart No1: Belastung in % vom Einkommen

    Folgende Aussagen lassen sich u.a. ableiten:

    • Aufgrund des Mindestbeitragssatzes kann die tatsächliche Belastung mit Krankenkassenbeiträgen für ein Jahreseinkommen bis 10.000 zwischen 50 und 100 % liegen!
    • Bis zu einem Jahresgewinn von EUR 35.000 ist die Belastung mit Krankenkassenbeiträgen höher als die Steuer. Erst ab einem Gewinn von EUR 35.000 ist die Steuerbelastung der größere Abgabenblock.
    • Und die vielleicht größte Überraschung: Die Gesamtbelastung liegt fast immer bei 40 %. Nur im Bereich zwischen 15.000 und 50.000 gibt es einen kleinen Schwung nach unten, wobei aber die Belastungsgrenze von 30 % zu keinem Zeitpunkt unterschritten wird.

    Chart No2: Das Jahres-Netto-Einkommen

    Grün ist „Was bleibt“, also das Jahres-Netto-Einkommen. Hierzu ein paar Zahlenpaare:

    • Bei einem Gewinn von EUR 5.000 verbleibt ein verfügbares Einkommen von EUR 73,40.
    • Gewinn EUR 10.000 / verbleibendes Einkommen 5.000
    • EUR 15.000 / EUR 9.900
    • 25.000 / 17.400
    • 35.000 / 23.300
    • 50.000 / 31.200
    • 60.000 / 37.000

    Die Deckelung der Krankenkassenbeiträge wird hier visuell sichtbar: Ab der Beitragsbemessungsgrenze (2017 für die KV: EUR 52.200) wird der blaue Block nicht mehr breiter. Für viele stellt sich aber eventuell eher die Frage: Couch oder Schreibtisch. Mit anderen Worten: „Lohnt es sich für mich, noch x Euro mehr zu verdienen oder bleibe ich lieber liegen?“. Das muss natürlich jeder für sich selber entscheiden. Hier kommt jedenfalls die passende Grafik dazu:

    Chart No3: Mehr-Netto je 5.000 EUR Mehr-Gewinn (pro Jahr)

    Chart No4: „Und wieviel bleibt mir im Monat?“

    Hier sehen wir das verbleibende Monatseinkommen in Relation zum Jahresgewinn, oder als Frage formuliert: Wenn ich x Euro im Monat als „freies Einkommen“ benötige, wieviel muss ich dann verdienen?

    Auf der Hochachse sehen wir das monatliche Netto-Einkommen, auf der Querachse den dafür erforderlichen Jahresgewinn. Der grüne Block ist das monatliche Netto-Einkommen. Zur Verdeutlichung wieder ein paar Zahlenpaare:

    • Aus einem Jahresgewinn von EUR 10.000 ergibt sich ein „freies Monatseinkommen“ von EUR 422,78
    • Jahresgewinn EUR 20.000 / Monatliches Netto 1.145
    • EUR 30.000 / EUR 1.709
    • 40.000 / 2.169
    • 50.000 / 2.604
    • 70.000 / 3.548
    • 100.000 / 4.940

    Chart No5: „Ach Mist, die Altersvorsorge!“

    Alle vorangegangenen Darstellungen des Netto-Einkommens erfolgten ohne Berücksichtigung von Altersvorsorgeaufwendungen. Es erscheint zwar nur schwer nachvollziehbar, aber für Selbständige besteht derzeit keinerlei Pflicht, Altersvorsorge zu betreiben. Somit wäre es derzeit theoretisch möglich, bis zum Renteneintritt das gesamte Einkommen „zu verjubeln“ und sich für den Rest des Lebens in die staatliche Mindestversorgung zu begeben – das dürften dann aber wohl nicht die erhofften „goldenen Jahre“ werden. Es erscheint daher mehr als grob fahrlässig, bei einem „guten Verdienst“ das Thema Altersvorsorge unbeachtet zu lassen.

    Der Aufbau einer Altersversorgung wird umso mühsamer, desto später damit begonnen wird. Im Mittel jedenfalls erscheint eine Verwendung von 15 % des Brutto-Einkommens für die „goldenen Jahre“ als gutes Maß. Die abschließende Auswertung zeigt daher das monatliche Netto-Einkommen nach Berücksichtigung von Altersvorsorgeaufwendungen von 15 % der Brutto-Einkünfte. Vereinfachend wird angenommen, dass es sich ausschließlich um Altersvorsorgemaßnahmen handelt, die in der Ansparphase nicht steuerlich abzugsfähig sind.

    —————————————————

    Alle Angaben ohne Gewähr!


  • Vorsteuerfalle bei Bestellungen über Amazon

    Vorsteuerfalle bei Bestellungen über Amazon

    Vor zwei Jahren berichteten Medien wie SPON , dass der Versandhändler Amazon seine Partner zunehmend dazu dränge, den Versand der Waren über ein Waren- und Paketzentrum in Polen abzuwickeln, und zwar selbst dann, wenn die Ware im Grunde „von Deutschland nach Deutschland“ versendet wird. Auch in Deutschland ansässige Vertriebspartner sollten also möglichst den Amazon-Standort Polen nutzen, selbst wenn der Warenempfänger ebenfalls in Deutschland sitzt.

    Was die Unternehmer aber meist nicht wissen: Wenn man nicht aufpasst, geht durch diese Vertriebstaktik der Vorsteuerabzug bei Bestellungen über Amazon verloren.

    Kein Vorsteuerabzug

    Bei einer Warenlieferung von Polen nach Deutschland zwischen zwei Unternehmern liegt umsatzsteuerlich eine so genannte innergemeinschaftliche Lieferung und zugleich ein innergemeinschaftlicher Erwerb vor. Mit anderen Worten: Die Lieferung ist umsatzsteuerfrei und der Erwerber hat die Transaktion als „Reverse Charge“ bei der Umsatzsteuer anzugeben. Gleichwohl wird aber auf der Rechnung meist die deutsche Umsatzsteuer ausgewiesen und der Käufer macht diese im guten Glauben in seiner Umsatzsteuervoranmeldung geltend.

    Da es sich steuerrechtlich aber wie dargestellt um eine innergemeinschaftliche Lieferung handelt, ist der Umsatzsteuerausweis falsch. Folge: Diese unrechtmäßig ausgewiesene Umsatzsteuer ist nicht abzugsfähig!

    Kennzeichen „PL“

    Erkennen sich lassen sich derartige Rechnung an den Buchstaben „PL“, die sich in der Rechnungsnummer verstecken. Für einen Betriebsprüfer wäre es damit ein Leichtes, sämtliche Amazon-Rechnungen auf diesen Hinweis zu durchsuchen und den Vorsteuerabzug zu streichen.

    Problemlösung

    Um dieses Risiko nun aus der Welt zu schaffen gibt es eine recht einfache Lösung. Es empfiehlt sich, für das Unternehmen oder den betrieblichen Bereich einen eigenes Amazon Benutzerkonto zu erstellen und dort die eigene Umsatzsteuer-Identifikationsnummer anzugeben. Damit sollte auf den besagten Rechnungen der unrechtmäßige Ausweis deutscher Umsatzsteuer verschwinden. Zugleich muss natürlich der Kauf in der Buchhaltung als innergemeinschaftlicher Erwerb erfasst werden.